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Beruf

ausführliche berufliche Lebensgeschichte
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Berufliche Lebensgeschichte

Schulische Anfänge

Experimentieren

Ziemlich früh in meiner Kindheit wurde mein Interesse für technische Dinge geweckt. Der ohnehin vorhandene Spieltrieb wurde mit Anregungen von Vaters Tätigkeit bei der Deutschen Reichsbahn angereichert und ganz besonders durch eine H0-Modelleisenbahn.

Etwa so mit 8 bis 9 Jahren bekam ich Anregungen von der Kinderzeitschrift "Frösi" und verschiedenen anderen Quellen, mich mit Atomen, Mechanik, Elektrizität und anderen technischen Sachen zu beschäftigen. Dann begann sich das Ganze recht schnell zu verselbständigen: Die populärwissenschaftlichen und utopischen Bücher im Wohnzimmerschrank hatte ich recht schnell entdeckt und weitere Anregungen kamen durch die Schule und gut ausgewählte Kinderbücher hinzu.

In der Schule wurde das Interesse ebenfalls reichlich gefördert in Form z.B. von Mathematik-Olympiaden und einem regelmäßigen Mathe-Klub in der Kreisstadt (die hatten nach ganz andere tolle Sachen dort - Modellbau für funkferngesteuerte Flugzeuge und sowas!). Jedenfalls kam ich immer mehr davon ab, durch unsere Wiesen und Wälder zu ströpen, und befasste mich stattdessen mit Atomen, Elektrizität und Büchern.

Leider gab es weit und breit in den vier für mich als Steppke zu Fuß erreichbaren Dörfern keinen Spielkameraden, der annähernd ähnliche Interessen hatte. Irgendwann so mit 10 versuchte ich mal, einem Cousin die Sache mit den Atomen und Planeten näherzubringen. Aber der war bereits ein treuer Anhämger des christlichen Glaubens und wissenschaftlich nicht mehr geradezubiegen. Das war eines der ersten Male, wo ich zutiefst enttäuscht über die mangelnde Intelligenz meiner Mitmenschen war. Auch mit anderen Familienmitgliedern war nichts zu machen. Nur meine Mutter hörte mir zu, weil sie in ihrer Berufsausbildung bereits eine "richtige" moderne Schule in der DDR besucht hatte, in der es solche Sachen wie eben Atome, Elektronen und Planeten schon gab.

Also blieb mir gar nichts anderes übrig, als mich in Bücher zu vergraben und die Grundlagen für eine eher zurückgezogene Lebensweise zu legen. Während andere draußen Fußball spielten, Cliquen schmiedeten oder sich im Austausch von Späßen und Gemeinheiten übten, lernte ich zu begreifen, was man mit Transistoren, Widerständen und Kondensatoren alles für Greulichkeiten anstellen kann.

Systematisierungsfieber

Ich begeistere mich immer mehr und systematischer für Physik und Mathematik (sofern sie in einer Weise ausgedrückt sind, die mir verständlich ist oder die ich für mich selbst sinnvoll ausdrücken kann - das ist heute noch genauso wie vor 30 Jahren und auf allen Wissensgebieten der Fall). In der 11. Klasse begann ich, mein damaliges Schulwissen in allen naturwissenschaftlichen Fächern zu systematisieren, also alles neu zu schreiben, Ungereimtheiten zu klären, vor allem aber - was schon damals meine liebste Beschäftigung war - Redundanzen radikal auszumerzen und die Dinge maximal zu vereinfachen. Das war und ist meine Stärke: Durch Systematisierung den Aufwand zum Erlernen und Beherrschen von Zusammenhängen zu minimieren und dadurch mit meinem ansonsten eher schwachen Gedächtnis und nicht schnellsten Denkweise dennoch besser als andere zu sein!

Ansichtssachen

Als ich durch den Physikhefter blätterte, fiel mir auf, dass die Modelle von den Magnetfeldern reichlich albern sind: Wenn einzelne Teilchen durch den Raum fliegen, dann müssen sie genauso statische und dynamische Wechselwirkungen hervorrufen bzw. ihnen unterliegen, wie wenn sie im Verbund unterwegs sind! Dann aber muß die Wechselwirkung zwangsläufig von sowas wie der Geschwindigkeit eines Teilchens abhängig sein. Was war aber nun mit einem Magnetfeld? Das ja wohl bitteschön entstehen müßte, wenn sich das Teilchen bewegt?!

Woher aber sollte ein einzelnes Teilchen "wissen", wie oder wo es sich wie schnell bewegt und wie stark demzufolge das Magnetfeld sein müsste, welches es nach dieser Theorie zu erzeugen hätte?! Wie wäre es, wenn zwei Teilchen beschleunigt werden würden und dann gegeneinander stillstehend nebeneinander her fliegen würden? Nach der GELEHRTEN Theorie müßten sie Magnetfelder aufbauen und aufeinander einwirken. Aber woher sollen die wissen, wie schnell sie sind - außer gegenüber jeweils ihrem Partner? Wo sollte sich ein Ruhepunkt befinden, auf den man seine Geschwindigkeit beziehen und damit das Magnetfeld bestimmen könnte? Vor allem: Welcher Mensch, der die Teilchen in einem Versuch auf die Reise schicken würde, könnte das auch nur grob abschätzen? Weil: Hatten wir nicht gerade erst vor wenigen Jahrhunderten den Glauben daran aufgegeben, der absolute Nullpunkt des Universums zu sein? Und wenn das einem Menschen schon vom Prinzip her unmöglich sein mußte, woher sollte dann ein Elementarteilchen seine eigene Geschwindigkeit kennen?

Ganz offensichtlich waren die mir damals aus dem Physikunterricht bekannten Modelle unsinnig und zudem meiner Ansicht nach doppelt so umfangreich wie nötig, weil ich (bis heute) davon überzeugt bin, daß sich Elekrtrodynamik und -statik auf einen Nenner bringen und als direkte Wechselwirkung grundsätzlich zwischen individuellen Teilchen modellieren lassen - und vor allem in der Natur gar nicht anders als genauso realisiert werden können!

Also versucht ich, den ganzen Magnetismus mal als bewegungsabhängige Komponente der Elektrostatik zu formulieren und mal zu sehen, was ich damit rausbekomme, wenn ich einzelne Teilchen gegeneinander durch den Raum hetze. Eben solche Experimente mit einzelnen Ladungsträgern waren ja mit dem Magnetfeldmodell nicht mal zu formulieren - weil: Ein Strom ergibt sich ja erst durch regelmäßig wiederholt an einem Punkt vorbeikommende Teilchen - unabhängig von deren Geschwindigkeit (also z.B. egal wie dick der Draht ist). Die Wechselwirkung für hinreichend vereinzelte Teilchen MUß aber abhängig von der Geschwindigkeit des einzelnen Teilchens sein - nur dass das magnetische Feldmodell sowas eben einfach nicht hergibt, weil's davon abstrahiert!

Na gut - Modell aufgestellt, mal angesetzt, daß die dynamische Wirkung bei Lichtgeschwindigkeit gleich der statischen sein soll und betrachtet und ausgerechnet, was für Parameter herauskommen müßten und ob das sinnvoll aussieht. Ergeben hat sich dann, dass das Produkt aus Dielektrizitätskonstante und Permeabilitätskonstante gleich 1/Lichtgeschwindigkeit^2 sein mußte, damit sowas zutrifft. DAS hörte sich SEHR vernünftig an, und ich vermutete STARK, dass das auch anderen Leuten bekannt sein müßte, legte es doch außerdem nahe, daß der ganze Hokuspokus um Zeit- und Massendehnung und absolute Geschwindigkeitsbegrenzung und Ätherexistenz (was jedes einzelne mir schwachsinnig erscheint) einfach weggelassen und solche Sachen wie die Geschwindigkeitsbegrenzung bei Beschleunigung von Ladungsträgern bis in den Bereich von Lichtgeschwindigkeit auch mit um Größenordnungen einfacheren und uralten klassischen Modellen erklärt werden können!

Damit hatte ich zwar noch kein Alternativmodell und schon gar keinen Beweis für die Sinnfälligkeit des kurz mal angesetzten Modells, aber immerhin schon mal einen überdeutlichen Denkanstoß dafür, daß nicht unbedingt deshalb, weil da jemand Einstein hieß, im Physikunterricht nur "glaube mir oder du bist dumm" gerufen werden muß...

Na ja, damit hatte ich allerdings auch den Grundstein für viele spätere Probleme gelegt, denn die methodische Erleuchtung, dass man Dinge auch ANDERS anschauen KANN und es ab und zu dringend mal tun SOLLTE, drückte auf sämtliche Tätigkeitsgebiete durch, nicht zuletzt, weil in den seither vergangenen 25 Jahren NICHT EIN EINZIGER Mensch auf dieser Welt über DIESES Problem auf einer anderen Basis mit mir gesprochen hat als "du bist doch nicht ganz dicht"...
Ich hatte mir seither nie mehr (auf keinem Sachgebiet) verbieten lassen, Ansichten kritisch zu hinterfragen und auf Beweisen zu bestehen, wenn Alternativen verworfen werden sollten... Das wirkte sich zum Beispiel auch auf meine politische Methodik aus und wurde noch nie anders als störend beurteilt.

Elektronik als Hobby

Mit dem Physikhefter stoppte meine damalige Systematisierungswut, weil ich an einem Punkt angekommen war, wo ich der Überzeugung war, dass das, was mir in der Schule beigebracht worden war, Schwachsinn sein MUß, aber ich aus eigener Kraft auch kein alternatives Modell aufzustellen schaffte (ich verbriet in den Folgejahren effektiv Wochen daran - bis heute, und ohne Erfolg).

Statt dessen begeisterte ich mich für ein Gebiet, daß die Elektrodynamik nicht unbedingt in ihrer Elementarstruktur analysieren muß, aber viel Platz zum modellieren und spielen ließ: Die Elektronik.

Ich setzte fortan mein Taschengeld in viele Bücher und ein paar elektronische Bauteile um und experimentierte und lernte. Die Grundlagen der analogen und digitalen Signalverarbeitung einschließlich komplexerer analoger Filterberechnungen, digitaler Fehlersicherung, Fouriertransformation und Korrelation und die Verallgemeinerung der mathematischen Division im Zusammenhang mit sowas wie Korrelation auf alle möglichen Gebiete zum Zwecke der Mustererkennung und Signaltransformation hatte ich zumindest schon mal vom Prinzip her verstanden, bevor ich die EOS verließ - ohne allerdings alle mathematischen Grundlagen und Details dieser Sachen schon verstanden zu haben oder herleiten zu können. Aber das kam sehr schnell und weitestgehend autodidaktisch erlernt hinterher...

Außerdem hatte ich in der 11. Klasse das Programmieren als neues Hobby entdeckt, als ich meine Mathehefter überarbeitet hatte. Für so manche komplexere Aufgabenstellung hatte ich Programme geschrieben, deren Ausführer allerdings noch keine CPU war, sondern ich und mein kleiner Schultaschenrechner (der damals schon aus dem fernen Osten kam). Theoretisch schwelgte ich aber schon im Programmieren von U880 und U8000.

Jedenfalls war das ein befriedigenderes Gebiet als die Atomphysik und eine gute Voraussetzung für das Studium...

Abiturzeugnis

Offiziershochschule der LSK/LV

Wenn ich den militärischen Kladderadatsch mal beiseite schiebe und schaue, was für außerhalb des Militärs verwertbar übrigblieb, ist das doch eine ganze Menge gewesen.

Grundlagenausbildung

Es begann damit, dass auf einigen Gebieten mathematisches und physikalisches Grundlagenwissen nachgeliefert wurde, das mir ermöglichte, die Begründungen für schon früher gelerntes zu begreifen. Es wurden neue Interessen erzeugt und Vertrautheit mit komplexer HF-Schaltungstechnik gefördert (die mich heutzutage nur staunen läßt, was die Schaltkreishersteller im GHz-Bereich zustandebringen).

Außerdem wurden Grundlagen für den Umgang mit Rechentechnik gelegt und - das war ganz wichtig - Kleincomputer der KC 85-Reihe (sowas wie Atari) für die Weiterbildung der Studenten (und insbesondere für die Diplomarbeiten) zur Verfügung gestellt. Da es bei Studenten eher darauf ankommmt, dass man die Prinzipien verstehen lernt, war es überhaupt kein Problem, dass die Rechner selbst für damalige Verhältnisse schon recht langsame und kleine Burschen waren (und mit einer saumäßig groben Grafik - aber all das änderte sich rasant: am Ende der OHS konnten wir schon fast (!) einzelne Pixel farblich korrekt darstellen). Ab dem dritten Studienjahr sprach ich fließend Z80. Maschinenprogrammierung war damals das erste mögliche Niveau.

Patentreife Erfindung

Dann kam mit den Diplomarbeiten viele niveauvolle Aufgabenstellungen, Denkanstöße, Ideen und Erkenntnisse. Ich profitierte von mehreren, denn verschiedene Leute einschließlich meines Zugführers (der damals sein eigenes Diplom zusammen mit seinen Unterstellten erarbeitete) baten mich um Hilfestellung. Es waren gleich mehrere interessante Sachen dabei, die sich mit der Integration von Digitaltechnik in die sonst komplett vorherrschende militärische Analogtechnik beschäftigten. Dabei hatten mehrere Gruppen damit zu kämpfen, schwankende, fehlerbehaftete, störüberlagerte Analogsignale in etwas zu überführen, das sich anschließend mit Algorithmen in Rechentechnik weiterverarbeiten ließ, und zwar mit viel zu langsamer Elektronik und so, dass die angeschlossenen Programme nicht stochastisch an irgendeiner Stelle wegen Inkonsistenz das Handtuch warfen!

Rein zufällig war eines meiner damaligen Interessengebiete die mathematische Statistik geworden. Die begann ich - zunächst für andere Leute - mit den verallgemeinerten Divisionsverfahren und einem damals für mich neuen Element namens Redundanz zu verknüpfen und verläßliche Konvertierungsprogramme zu schreiben (Drehmelde-Wandler zum Beispiel). Alles nach Möglichkeit in Software zum Zwecke fehlerfreien und verläßlichen Arbeitens und um von der Analogtechnik mit ihren fortlaufend notwendigen Trimmungen und Korrekturen wegzukommen.

Dann kam in meiner eigenen Diplomarbeit ein Punkt, wo ich Signale übernehmen mußte. Und eine Analyse der Fehlerempfindlichkeit der Analogsignale, der Analog-Digitalwandler und der sich anschließenden Algorithmen zeigte, daß wir schwere Probleme bekommen würden, um die Funktionsfähigkeit zu erreichen.
Durch Beschleunigen und Erhöhen der Genauigkeit der Analog-Digital-Wandlung hätte diese Hürde deutlich gesenkt werden können. Aber das Problem daran war, dass es einfach keine Bauelemente auf dem uns zur Verfügung stehenden Markt gab, die unsere Forderungen erfüllen konnten und ein Selbstbau so aufwendig gewesen wäre, dass es ne eigene Diplomarbeit dargestellt hätte. Zuerst beschränkte ich mich darauf, das bestmögliche herauszuholen und entwarf ein System, das einen vorhandenen Wandler zumindest so exakt wie möglich und automatisch einmessen würde. Aber nach einem Weilchen Gährung kam die Idee, zwei vorhandene weniger genaue und hinreichend schnelle Wandler zu kombinieren, und zwar so, daß der eine gröber skaliert arbeitet, aber nichtsdestotrotz mit Hilfe des feiner auflösenden in dessen Genauigkeitsklasse eingemessen wird, wobei der feinere lediglich einen hinreichend großen Bereich abdecken braucht, um auch alle stochastisch durch Fehler verursachten größeren Intervalle des gröberen Bruders überdecken zu können. DAS war etwas, was innerhalb der Diplomarbeit zu schaffen war. Und es war nichts weiter als eine Kombination aus den ohnehin schon woanders angewandten Kenntnissen und Ideen.

Nach einem Weilchen weiterer Gährung kam nochmal eine Idee zur Verallgemeinerung - weil: Ich hasse es ja seit jeher, Dinge, die sich einfacher darstellen lassen, in ihrem komplizierteren Zustand dahinvegetieren zu lassen! Man kann einen Wandler mit sukzessiver Approximation mit Bauelementen aufbauen, die auch nicht im entferntesten genau eingemessen sind! Die brauchen nur grob einer Richtung zu folgen und können mit Fehlern in der Größenordnung von zig Prozent belastet sein, ohne dass das Funktionsprinzip gestört werden würde!
Das widersprach allen mir damals soweit zur Kenntnis gekommenen Darlegungen in Büchern über Digitaltechnik.

Nun war der Aufbau von einer Schaltung aber wieder was sehr aufwendiges - und es konnte schiefgehen. Man konnte Tage oder Wochen damit verbringen, Fehler zu suchen, die mit dem eigentlichen Ziel nichts zu tun haben. Also simulierte ich die Sache auf einem KC 85 - und sie funktionierte!
Nun horchte und sah ich mich um, ob diese Idee nicht schon irgendwo realisiert gewesen sein könnte. Meine Möglichkeiten damals waren zugegebenermaßen recht beschränkt (Internet kam erst 10 Jahre später und Zugang zur Bibliothek mit West-Büchern hatte ich nur sehr beschränkt). Aber soweit ich blicken konnte, gab es nichts dergleichen.
Ich versuchte, das Ding irgendwo an den Mann zu bringen. Allein: In der OHS stieß ich auf kein Interesse. Also: Nicht auf kein Interesse, sondern auf "Kein Interesse! Das gehört wohl kaum zu Deiner Diplomarbeit!". Auch beim Verteidigen der Diplomarbeit, wo ich das Ding eingearbeitet hatte, kam kein Bedarf rüber. Später, in der Truppe, schrieb ich an Betriebe und Ministerien und Zeitungen. Verschiedene Leute leiteten meine Hinweise weiter. Aber niemand interessierte sich dafür...

Unmittelbar während der Wende ging ich zu einem DDR-Betrieb, der wie andere vor dem Problem stand, mit veralteter Technik auf einem um 5 Jahre fortgeschritteneren Markt bestehen zu müssen. Aber dort hatte man immer noch (oder nun nicht mehr?) kein Interesse.

10 Jahre nach der Erfindung, in der ach so tollen westlichen Welt, war immer noch kein Schaltkreis auf dem Markt, der mit der Erfindung eigentlich längst hätte gebaut worden sein müssen. Im Zuge einer intensiven Recherche kam ich damals zu der Erkenntnis, dass zwei Techniker bei Siemens in Österreich zum selben Zeitpunkt wie ich an der OHS das Funktionsprinzip erfunden haben müssen. Allerdings in einer Weise formuliert, wie sie typisch ist für Leute, die schon etliche Jahre auf ihrem Fachgebiet unter sich arbeiten und vor allem es geil finden, sich noch abgehobener als alle ihre Bekannten ausdrücken zu können. Mein Pamphlet hätte seit 10 Jahren selbst ein Schüler der Oberschule begreifen können (ich hatte ja auch kein explizites Mathematikstudium bezogen).

Na ja, jetzt ruht das Patent in Frieden irgendwo in einer Bibliothek. Ich nehme mal an, in Papierform. Auf dass wenigstens noch das Papier, auf dem es steht, eine sinnvolle biologische Funktion erfüllen kann...

Dieses Erlebnis hatte eine ähnliche Auswirkung wie jenes mit dem atomphysikalischen Gedankenexperiment: Ich bin hochgradig überzeugt, hier auf der falschen Welt zu sein...

politische Verantwortlichkeit

Im Führungsstab meiner damaligen Ausbildungskompanie war ein Offizier, der sich durch bestimmte Äußerungen und wohl in gewissem Rahmen durch allgemeine Verhaltensweisen bei einigen Leuten unbeliebt gemacht hatte. Ich fand, dass er halt einfach seine Art an sich hatte, mit der jeder Mensch, wenn er auch nur ein Minimum an Toleranz mitbringt, leben kann. Es gab aber offenbar an "höherer Stelle" Leute mit Entscheidungsgewalt, die beschlossen hatten, ihn abzusetzen.
DAS war jedoch keine Sache eines Fingerschnipsens - schließlich hatte sich der Offizier keines fachlichen Vergehens schuldig gemacht, sondern eben nur einer Verhaltensweise, die gewissen anderen Leuten nicht passte. Er konnte also nicht aus Sicht seines Dienstvertrages belangt werden.

Das Standardinstrument, um solcherart Unliebsamkeiten aus dem Wege zu räumen, war bei uns in der DDR das Parteiverfahren, weil: Um in der NVA dienen zu dürfen, mußte man Mitglied der SED sein (was ich vollkommen gerechtfertigt fand - heutzutage darf man als Politiker ja komplett verblödet sein, ohne dafür bestraft werden zu können). Wenn man aber Mitglied der SED war, stand man unter den Regeln des Statuts dieser Partei, und die beinhalteten solche Sachen wie Parteiverfahren. Und an denen wiederum mußte ja immer die gesamte Mitgliedschaft einer Grundorganisation teilnahmen - was bei uns an der OHS der gesamte Personalbestand einer Ausbildungseinheit war - weil: alle waren ja (zwingend) Mitglied in der SED.

Hmmm, tja: Als Außenstehender könnte man urteilen: Das dürfte alles ja vollkommen unabhängig von beruflichen Sachen sein, nicht war? Es gab da aber zwei Handhabungen, die das ganze - aus meiner Sicht - zur Straftat werden ließen: Zum einen wurde eine Versammlung natürlich gründlich vorbereitet - und zwar von denen, die sie durchführen wollten und in deren Interesse und ohne auch nur einen Gedanken an Gerechtigkeit, Toleranz oder auch nur rechtliche Zulässigkeit zu verschwenden, weil: Eben jene Leute waren ja in einer solchen Versammlung die Vorgesetzten. Und Vorgesetzte haben seit jeher überall auf der Welt per ungeschriebenem Gestzt immer das erste und letzte Wort und vor allem fast unbezweifelte Autorität. Und eben deshalb brauchen solche Leute auch überall auf unserem Affenplaneten kaum mit Rückwirkungen aus moralisch verwerflichen Handlungen rechnen.

Das alles ist in jeder Gesellschaft und seit tausenden von Jahren schon immer der Fall, und nur ein verschwindend geringer Teil der Menschen - meist solche, die von jenen mißhandelt wurden - kommt überhaupt auf die Idee, dass etwas daran verdächtig oder gar falsch sein könnte, weshalb ich aus dieser allgemeinen moralischen Verdreckung auch niemandem von damals einen besonderen Vorwurf machen kann - sie alle waren nicht besser oder schlechter als z.B. ein x-beliebiger Politiker heutzutage...
Die Tugenden "Toleranz" und "Gerechtigkeit" sind unter den zweibeinigen Affennachkommen global und per Erbgut definiert noch nie eine beherrschende Charaktereigenschaft gewesen und bestenfalls Thema in literarischen Werken, jedoch nur in homöopatischen Dosen im alltäglichen Leben oder gar in der größer formatigen Politik zu finden...

Zum anderen gehörte zur Vorbereitung von Versammlungen - so wie es auch jetzt in der BRD in allen Unternehmerkreisen und in den USA in jedem Wahlkampf üblich ist - das "Einkaufen" der "Stimmungsmacher" - also all jener, die bekanntermaßen Autorität unter dem Rest der beteiligten Personen haben. Zufälligerweise war ich zu eben jenem Zeitpunkt, wo der Hauptmann abgesäbelt werden sollte, in der politischen Führung meiner Grundorganisation und konnte miterleben, wie ein "Gesandter" aus einer der höheren Führungsebenen sämtliche Führungsmitglieder um mich herum darauf einschwor, ja dafür zu stimmen, den Hauptmann zu verurteilen.

Dieser jemand versuchte sich damals auch an mir. Er kam mit Argumenten wie "den Vorgesetzten vertrauen, weil die ja am besten wissen müßten, was richtig ist", "einheitlichem Auftreten" und ähnlich grotesken Witzen. Dieser Typ war einer der ersten in meinem Leben, denen ich sehr unmißverständlich klar machte, für wie abgrundtief verachtenswert ich solcherart Auftreten halte (nur mein damaliger Sektionschef erhielt im Zusammenhang mit Diplomarbeiten nochmal in noch viel deutlicherer Weise eine solche Behandlung). Da war mit der abzusäbelnde Hauptmann - mal ganz davon abgesehen, dass ich absolut keine Veranlassung sah, ihn loszuwerden - eine ganze Größenordnung vertrauenswürdiger!

In der anschließenden Versammlung wurde natürlich nicht sachlich diskutiert, schon gar nicht analysiert oder nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Die Versammlung der SED-Gruppe wurde zweckentfremdet benutzt, um die Akzeptanz einer beruflichen Verurteilung des Opfers in die Köpfe der Versammelten zu injizieren, das Opfer aus der SED auszuschließen (wenn ich mich recht entsinne) und dann den fachlichen Ausschluß aus der verantwortlichen Funktion als Nebenwirkung wegen Wegfalls der politischen Voraussetzung zu erzwingen.

Es gab damals KEINEN sogenannten "einstimmigen" Beschluß. Es fehlte eine Kleinigkeit dazu.

Dieses Erlebnis bewirkte eine Vertiefung meiner damals schon recht stabil gewordenen Überzeugung: Hier auf der falschen Welt zu sein... Es zeigte mir außerdem erstmalig, dass eindeutiger Schwachsinn nicht (nur) direkt von oben verordnet, sondern mit Spaß an der Freude von ALLEN gesellschaftlichen Schichten mitgetragen wurde.

Abschlußzeugnis der OHS
Diplomzeugnis der OHS


NVA - Dienst

fachliche Verantwortung

In der Truppe war ich "Technischer Offizier", verantwortlich für die Instandhaltung von Fla-Raketentechnik. Die Militärtechnik der DDR war alles andere als hochgerüstet - schließlich war es nicht Sinn und Zweck dieses Staates, das Öl aus fremden Ländern für die Autos der Egos im eigenen Lande zusammenzuschießen (Egos gab es zwar, aber extrem viel weniger als heutzutage in der BRD oder gar in den USA, und Autos wurden definitiv nicht staatlich gefördert)! Sie bestand zu meiner Zeit größtenteils aus Elementen, die schon 30 bis 40 Jahre vorher in der UdSSR entwickelt worden waren. Sie bestand äußerlich aus recht stabilen Metallhüllen und innerlich aus robuster, urlat-bewährter, analoger Röhrentechnik, die zu nutzen in der zivilen Welt zu jener Zeit niemand mehr auf die Idee gekommen wäre.

Eine der hauptsächlichen Tätigkeiten bestand darin, diese Röhrentechnik am Laufen zu halten, indem regelmäßig immer wieder Signalverhältnisse kontrolliert, vermessen und geeicht wurden. So in etwa gehörten zu jeder Röhre mindestens ein Potentiometer und zwei Meßpunkte.

Bei dieser Tätigkeit konnte man verantwortlich (also selbstkritisch, hinterfragend, ernsthaft prüfend und vor allem mit dem vergleichend, was man aus der Theorie kennt) vorgehen oder blind nach Anweisung, um irgendwie die vorgefundenen Signale als das zu interpretieren, was man in den Dienstanweisungen beschrieben vorfand.
Üblich, weil dem durchschnittlichen Grad des Verständnisses für die innewohnende Signalverarbeitung geschuldet, war letzteres. Üblich war es, Signale auf dem Oszillographen su hinzuschieben und zu skalieren, dass sich die erkennbaren Striche - vollkommen unabhängig von einem eventuellen Sinn - zumindest mit viel Entgegenkommen als das gewünschte interpretieren ließen. Dann wurde der Punkt abgehakt.

Während ich viel Argwohn und Aberkennung dafür erntete, mir einen eigenen hierarchisch gegliederten (die letzteren Begriffe mußten für die Erfinder Fremdwörter gewesen sein) funktionellen Blockschaltplan meines Fla-Raketenkomplexes anzufertigen, blieb den alteingesessenen und ach so sehr von ihrer Kompetenz überzeugten Offizieren verborgen, dass ein zwingend erforderliches Signal in einem Block ihres Fla-Raketenkomplexes einfach neben einem Signalpin gegen Masse gelötet worden war. Es wurden halt übergekoppelte Störsignale im Eigenrauschen geschoben, skaliert und interpretiert und fleißig abgehakt, ohne dass je wenigstens einem ein Verdacht gekommen wäre!

Nun war das nicht vorhandene Signal ja nicht lebensnotwendig. Erstens wäre der Komplex sowieso kaum je zum Einsatz gekommen: Unsere Militärdoktrin lautete weder auf Erst- noch auf Präventivschlag (wie die der USA) und es gab damals niemanden, der einen Krieg ensthaft als gewinnbringend einstufte (was ja derzeit für die neuen Weltkriege der USA eine zwingende Voraussetzung ist). Zweitens war jenes Signal nur für das Bodenschießen relevant, was für einen Fla-Raketenkomplex eh nur als letzte Handlung vor der Selbstzerstörung in Frage kommt.

Nichtsdestotrotz war dies ein Beweis für die Verantwortungslosigkeit der vorherrschenden Arbeitsmoral, die da hieß: "Denke nicht! Dafür sind die Vorgesetzten da! Befolge einfach nur Befehle und Dienstanweisungen!"

Es wäre erleichternd, wenn dies auf "damals" und "dort" beschränkt wäre, aber vom Sinn her ist diese Art von A-Moral in unserer gesamten affenvererbten Gesellschaft verankert - und zwar in der Regel um so fester, je eigentlich verantwortlicher der Inhalt der Tätigkeit ist. Armeen und Geheimdienste als die zerstörerischsten Instrumente von Staaten sind da nur ein Anwendungsgebiet. In Ämter begegnet es einem aber genauso und sicherlich nicht zuletzt. Verbrecherisch wird es dort, wo Soldaten blind verbrecherische Befehle von Vorgesetzten ausführen, ohne deren Sinn oder Zulässigkeit zu prüfen - mit dem Ziel, dass sich die Vorgesetzten später herausreden können mögen, ja selbst kein einziges der befohlenen Verbrechen begangen zu haben, während die Soldaten die Befolgung der Befehlsgewalt vorschieben...

ICH würde mir niemals eine Tätigkeit ANMAßEN, für die ich fachlich nicht geeignet bin oder deren Resultate ich nicht beurteilen kann. Der Durchschnitt der Affenmenschen auf diesem Planeten scheint da aber ganz andere Denkweisen anzusetzen...

Dieses Erlebnis zeigte mir ein weitere mal: Ich bin hier auf der falschen Welt...

Polit-Schweine

Die Verhältnisse in der DDR wurden wesentlich von einer Art politischer Inquisition verfolgt und beeinflußt, die weniger in einem personifizierten Instrument (was es auch gab), als in den allgemein grassierenden Früchten einer Erziehung zur Selbstbeschränkung und zur Vorverurteilung bestimmter Handlungen lag.

Vom Prinzip her scheint ein Instrument zur Sauberhaltung einer Organisation ja gar nicht schlecht zu sein. Immerhin ist JEDES Staatswesen SEIT JEHER (und mindestens seit den Ägyptern schriftlich überliefert) damit beschäftigt gewesen, Leute mit gegenläufigen Ansichten zumindest fernzuhalten (wenn auch nach Möglichkeit meist gleich abzuschlachten). Selbst bei den ach so sympathischen Indianern ist das eine der Hauptbeschäftigungen der Staatsapparate gewesen.
Wenn also ALLE Staaten dieser Welt vollkommen unabhängig von grundsätzlichen Orientierungen und Details ihrer Gesellschaftsordnung IMMER als eine der ersten Handlungen dazu übergehen, die bestehenden Machtpositionen zu festigen und gegen Veränderungen zu schützen, kann dieses Vorgehen ja zumindest in den Augen der Allgemeinheit nicht zu verurteilen sein, oder?

Jedenfalls bestand ein breit anerkanntes Element der politischen Inquisition darin, Leute, deren Handlungen auch nur ansatzweise als "pro-westlich" gedeutet werden konnten, zu verunglimpfen. Ich selbst hatte als Kind - in der erweiterten Oberschule - noch westliche Musik verabscheut, während ich erst im Laufe meiner zwanziger Lebensjahre merkte, wieviel Intelligenz und vor allem Einsatz für Gerechtigkeit und Toleranz gerade in der damals pauschal verschmähten westlichen Kulturszene steckte. Ich schreibe mir aber zugute, dass mir dies als Kind unterlief, während ich mit Abschluß meiner Schulausbildung bereits eine deutliche Toleranzlastigkeit entwickelt hatte. "Normale" Leute sehen das - wie fast immer - ganz anders...

Noch ein Jahr vor der Wende wurde in dem Bereich, in dem ich damals diente, ein Wehrdienstleistender für das Hören eines westlichen Musiksenders während des Diestes verurteilt (sofern ich das richtig in Erinnerung habe - die Sache kam mir damals nur als Bericht zu Ohren). Mir selbst wurde in demselben Jahr bei einem etwas unglücklich angemeldeten Abhärtungstraining in der Ostsee versuchte Fahnenflucht vorgeworfen (Eisbaden hatte ich damals zum letzten Mal in meinem Leben gemacht).

FAHNENFLUCHT!

ICH!

BEIM EISBADEN!

Die Konsequenzen, die normalerweise in solch einem Falle drohten, waren Gefängnisstrafe und eventuell sowas wie unehrenhafte Entlassung aus dem Dienst.

Das war das dritte Mal, dass ein Vorgesetzter meine Meinung überdeutlich zu hören bekam. Danach wurde ich nur noch mit Samthandschuhen angefaßt.

Nur wenige Monate später hatten die ranghöchsten Offiziere der Abteilung, also eben jene Leute, die mir kurz vorher Fahnenflucht vorwerfen wollten und die zu denen gehörten, die für einen wesentlichen Teil der aktuell noch inhaftierten Insassen von Militärgefängnissen verantwortlich waren, begonnen, mit Feuer und Flamme dafür zu plädieren, wie wichtig es sei, dass wir Kontakt zu unseren Berufskollegen jenseits der Grenze knüpfen müßten.

Das war noch unmittelbar vor der Wende, als die Diskussionen über Grenzöffnungen begannen.
Damit hörten damals diese Leute für mich auf, politische Weisungsbefugte oder gar persönliche Vorbilder zu sein. Gemeinerweise entschloss sich die Führung des Staatsapparates just kurze Zeit später, genau jenes gar nicht mehr sein zu wollen! Die Ratten verließen das sinkende Schiff SED und fanden sich auf einmal in eben noch strikt bekämpfter Umgebung wieder...

Dass die Arschlöcher Wendehälse waren, nahm ich ihnen ja schon übel, aber dass die die Sache auch noch so drehten, dass man denen nicht mal mehr gegen das Bein pinkeln konnte, war eine saumäßige Schweinerei!

Ich kündigte in der Nacht der Volkskammerwahlen fristlos (wie man das heutzutage ausdrückt).
(Der Arbeitgeber hatte durch Wegfall des sozialistischen Staates die bindende Voraussetzung für die 25 jährige Dienstverpflichtung verletzt...)